Ja, am 09.03.2008 war es wieder soweit. Jürgen hat für uns recherchiert und eine Wanderung von Mautern über die Berge nach Kammern organisiert wo wir die zwei Burgruinen Ehrenfels und Kammerstein besichtigen konnten. Natürlich darf der geschichtliche Hintergrund bei solchen vorher noch nie getätigten Besichtigungen nicht fehlen, daher werde ich euch die Lage der Burgruinen und deren Geschichte näher bringen!

Die Burgruine Ehrenfels liegt bei Oberkammern in 1150 Metern Höhe über der Gföhler Wand bei Kammern.

und ist nur auf einem schmalen, steilen Pfad, der von der benachbarten Burg Kammerstein weiterführt, zu erreichen.

Obwohl die Lage hoch über dem Liesingtal beherrschend ist, ist die Burg so mit dem Felsen verwachsen, daß man sie  vom Tal aus nur sehen kann, wenn man weiß wo man sie suchen muss.

Der knapp einstündige, anstrengende Fußmarsch wird wohl der Grund sein, daß Ehrenfels in der Literatur recht wenig beschrieben ist und die wenigen Berichte offensichtlich voneinander abgeschrieben sind.  Auch werden es manche Besucher der Gegend nicht übers Herz bringen, die größere und besser erhaltene Ruine Kammerstein links liegen zu lassen, um noch eine weitere halbe Stunde auf einem unangenehm steilen Pfad nach Ehrenfels hinaufzusteigen.

Wer aber die Mühe des Anstiegs auf sich nimmt wird durch eine schöne Fernsicht belohnt und fragt sich unweigerlich, wie jemand auf die Idee kommen kann an diesem gottverlassenen Ort eine Burg zu errichten. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die Ehrenfelser noch im 13. Jahrhundert eine Talburg im Liesingtal, das heutige Schloss Ehrenau , errichteten.

Die Lage der Burg ist spektakulär: Sie wurde am höchsten Punkt der Gföhler Wand errichtet, einem steil nach Norden ansteigenden senkrechten Felsen. Während also die Westseite absolut sturmfrei war, bietet die Ostseite kaum natürlichen Schutz, wenn man vom beschwerlichen Anstieg absieht.

Folgende Bauteile der Burg haben sich erhalten: Der Rest eines Wohntraktes an der Nordseite der Burg, ein daran anschließendes 4 Meter langes Stück der Ringmauer, ein über den Bering vortretender Turm mit abgeschrägten Ecken ( den ich als Sechseckturm bezeichnen werde)  und etwas abseits davon ein fast zwei Meter starkes Stück der Ringmauer, an das innen ein Gebäude angebaut war. Alle diese Reste stehen an der sturmfreien Westseite der Burg, am Steilabfall der Gföhler Wand.  An der Ostseite, an der wohl auch der Zugang gelegen sein muß, sind alle Bauten spurlos verschwunden.

Der Wohntrakt steht an der Nord-Westseite des Burgplatzes, zwar an der höchsten Stelle, aber nur unwesentlich höher als die anderen Burgteile. Das Gebäude wirkt heute wie ein kleiner Turm,  die hofseitige Mauer ist jedoch nur eine Trennwand im Erdgeschoß, wie an einem auf Höhe dieser Trennwand liegenden Fenster im 1.OG zu erkennen ist.
Der Wohntrakt ist etwa 7 Meter breit und dürfte etwa 12 Meter lang gewesen sein.

Die unteren beiden Stockwerke sind aus großen Bruchsteinen von bis zu 50 cm Durchmesser aufgeführt. Die Mauerstärke beträgt an den Außenseiten ca.180 cm und an den Hofseiten ca.120 cm. Außer dem Eingang gibt es keine Maueröffnungen. Eine Balkendecke trennte die beiden Stockwerke .

Das zweite Stockwerk zeigt innen einen Mauerrücksprung von ca. 70 cm. Das Mauerwerk ist aus kleinen und kleinsten Bruchsteinen mit viel Mörtel gefertigt, in dem noch die Abdrücke von hölzernen Einbauten zu sehen sind. An der Westseite  liegt  ein ca. 40 x 40 cm großes Fenster in einer breiten Mauernische, an der Nordseite zwei weitere die aber bereits stark verfallen sind.
Wegen der geringen Mauerstärke ist es unwahrscheinlich, daß der Wohntrakt noch ein weiters Stockwerk gehabt hat.
Südseitig verbindet ein kurzes Mauerstück, das in einem stumpfen Winkel an den Bergfried angebaut ist, und dessen Stärke ich nicht messen konnte, den Wohntrakt und einen kleinen Turm. Dieser ist im Grundriss ein Rechteck von ca. 4 x 4 Metern, der über die Ringmauer hinausragt und dessen äußere Ecken im 45Grad-Winkel abgeschrägt sind. Nur am Fuß des Turmes gehen die abgeschrägten Ecken in den üblichen quadratischen Grundriss über, sodaß die Ecken wie Stützpfeiler wirken.

Die Funktion dieses Turmes ist völlig unklar: ein Flankierungsturm war er wohl nicht, weil er an der am wenigsten gefährdeten Stelle der Burg liegt. Unter ihm fällt die Gföhler Wand senkrecht in die Tiefe. An einen Angriff war da wohl nicht zu denken. Die Mauerstärke von nur 70 cm trägt diesem Umstand auch Rechnung. Wegen der ungefähren Ost-West Ausrichtung könnte man annehmen, daß es sich dabei um die Apsis einer Kapelle handelt, jedoch fehlen die für Kapellen typischen Fenster. Von außen betrachtet erkennt man, daß die Mauerstärke des Turmes außen nach oben hin abnimmt. An der Hofseite ist der Turm jetzt offen. Wenn es an dieser Seite eine Mauer gegeben hat, so war sie wohl schwächer ausgeführt als die Außenmauern und mit dieser nicht verzahnt.

Der Turm ist auf einem kleinen Felskopf aufgesetzt, und zwar in der Art, daß die Außenmauer ca. 70 cm vor dem Felskopf steht. Dadurch entsteht zwischen Mauer und Felsen ein schmaler Spalt. Wenn man nun in diesen hinuntersteigt zeigt sich, daß der Felsen unten zurückspringt und so zusammen mit der Außenmauer eine kleine Höhle bildet.

Der Turm hat bis auf ein winziges Fensterchen an der Südseite keinerlei Öffnungen. Wie beim Bergfried sind auch hier die unteren zwei Geschoße aus größeren Bruchsteinen errichtet, das darüber liegende aus kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk mit viel Mörtel. Im Sechseckturm wie auch beim Bergfried sind horizontal Holzstämme von ca. 20 cm Durchmesser eingemauert, wohl um dem Mauerwerk  mehr Festigkeit zu geben. Diese Stämme liegen teilweise frei und sind noch erstaunlich gut erhalten.

Ungefähr 10 Meter abseits des Sechseckturmes steht, von diesem durch eine tiefe Felsspalte getrennt, ein ca. 6 Meter langes Mauerstück. Das Mauerstück wurde mehrfach doubliert und hat insgesamt eine Mauerstärke von ca. 200 cm. Innen an dieses Mauerstück war ein Gebäude angebaut. Die Maueransätze, Balkenlöcher, ein Mauerrücksprung in ca. 3 Metern Höhe für eine Zwischendecke, sowie ein kleines Fensterchen sind noch zu erkennen.

Wo der Zugang zur Burg gelegen ist, kann man heute nicht mehr sagen, weil der gesamte Ostteil der Burg völlig verschwunden sind. Dem Gelände nach zu schließen führte der Burgweg über den breiten, flachen Sattel der den Burgfelsen vom anschließenden Gebirge trennt und dann von Osten oder Nordosten in die Burg. An dieser Stelle scheint der Burgfelsen händisch zu einer senkrechten Fläche abgeschlagen worden zu sein.
Im Burghof findet man noch eine kreisrunde Vertiefung, vielleicht eine Zisterne, vielleicht nur das Wurzelloch eines verschwundenen Baumes. Fast alle in der Ruine stehenden Bäume sind angekohlt, was darauf hinweist, daß der Ort extrem Blitzschlag gefährdet ist.

ENDE

Die Burgruine Kammerstein

liegt versteckt am Ende eines kleinen Seitentals des steirischen Liesingtals, auf drei Seiten umgeben von hohen Bergen. Nur gegen Süden erstreckt sich der offene Teil des Talbodens  bis in das Liesingtal hinein.
Etwa 1 Kilometer westlich und 300 Meter höher steht am Kamm der Gföhler Wand die Burg Ehrenfels.

Man erreicht den Fuß des Burgfelsens von der nördlichen, dem Berg zugewandten Seite. Hinter einem kleinen Graben erstreckt sich eine ebene, von einer Ringmauer umgebene Vorburg. Piper beschreibt die Ringmauer bei seinem Besuch 1900 noch im Detail, heute sind davon nur noch Reste erhalten. An der Westseite, direkt unter dem Bergfried, befindet sich eine Ausfalltürl, das von einer winzigen “Bastei”, gerade groß genug um einem Mann Platz zu bieten, gedeckt wird. Man kann wohl davon ausgehen, daß an der Ringmauer der Vorburg Scharten und eventuell ein Wehrgang angebracht waren. Da die Vorburg der einzige ebene Teil der Burg war, darf man hier auch Wirtschaftsgebäude und Ställe vermuten, von denen aber keine Spur mehr vorhanden.

Im Südosten der Vorburg erhebt sich der ca. dreißig Meter hohe Burgfelsen. Dieser ist gegen die Vorburg hin und an den beiden angrenzenden Seiten absolut senkrecht. Nur an der, der Vorburg abgewandten Südseite ist er zwar immer noch unangenehm steil, aber wenigstens ersteigbar.

Während bei vielen österreichischen Burgen ein Fels als Burgplatz gewählt wurde, der an drei Seiten unzugänglich ist und nur an einer Seite verteidigt werden mußte, ist der Burgplatz von Kammerstein in seiner natürlichen Form an überhaupt keiner Seite unzugänglich.

Erst durch das Aufführen einer Futtermauer an der Ostseite, auf der ein schmaler Pfad angelegt wurde, war es  möglich die senkrechten Wände des Burgfelsens zu umgehen und  Zugang zum Burginneren zu erlangen. Dort wendet sich der Burgweg um 180 Grad und führt steil nach oben, wo an der höchsten Stelle, direkt über der Vorburg der Bergfried steht. Dieser einzige Zugang zur Hauptburg war besonders leicht zu verteidigen, weil er zu seiner rechten vom  zwanzig Meter hohen senkrechten, teilweise sogar überhängenden Fels, und zu seiner linken von dem ebenso tiefen senkrechten Abgrund begrenzt wird. Zusätzlich wurde der Weg von der Vorburg ins Burginnere von drei Toren gesichert, die den Burgweg abschneiden. Alle drei Tore verbinden den Burgfelsen auf der rechten Seite und die Futtermauer auf der linken Seite.

Hinter dem ersten Tor, das nur noch in geringen Resten erhalten ist, ist der Burgweg noch ca. fünf Meter breit und bildet so einen Zwinger  von etwa 20 Metern Länge.
Hinter dem zweiten Tor wurde auf der dem Abgrund zugewandten Seite die Futtermauer über den Weg so nach oben gezogen und nach innen gewölbt, dass sie mit dem nach außen überhängenden Felsen eine überdachte Torkammer bildet. Diese war anscheinend zweistöckig angelegt, wobei der obere Stock winzig klein war. Das leicht spitzbogige Tor lag in einer ca. 150 cm starken Quermauer, die außen über die Höhe des Steindaches herausragt und wie ein massiver Pfeiler wirkt. Unmittelbar hinter dem Tor befinden sich in Richtung des Abgrundes eine Tür und darüber ein Fenster. Da an dieser Stelle der Abgrund fast 30 Meter tief ist, wird die Tür wohl zu einem Erker oder einem Balkon geführt haben.

Das dritte Tor schließt die Kammer auf der anderen Seite ab und führt direkt in das Erdgeschoß des vierstöckigen, teils in den Felsen gebauten Torbaus. Die Torkammer ist hier dreigeschoßig: Über dem Tor ist eine weitere Tür zu sehen die vom Torbau leicht schräg nach außen führt. Darunter 4 hölzerne Kragbalken, auf denen laut Piper 1900 noch ein gemauerter Erker ruhte. Darüber liegt eine weiteres schmales Fenster oder eine Scharte. Auf dieser Höhe stützt ein Schwippbogen die Wand gegen den danebenliegenden Felsen ab.

Der Torbau befindet sich direkt hinter dem dritten Tor an der untersten, und der Vorburg entferntesten Stelle des stark geneigten Burgfelsens. Während er innen einen leicht länglich rechteckigen Grundriss hat, erkennt man vom Tal aus, dass die Süd- und Ostecke außen stark abgeschrägt sind. Auch wirkt das turmartige Gebäude von außen viel höher als von innen, weil es auf einer tiefen Futtermauer steht.
Im untersten Geschoss, das jetzt stark verschüttet ist, führte das dritte Tor in das Gebäude  und dann in einer 90 Grad Drehung nach rechts. Gegen die Talseite zeigt das unterste Geschoss ein großes Fenster in einer ca. 3 Meter breiten Bogennische.

Darüber liegen zwei große Fensternischen mit Schlüsselscharten. Im dritten Stockwerk zwei Fensternischen, darüber eine einzelne Fensternische. Bei den Nischen sind Kanthölzer eingemauert, wahrscheinlich als Befestigung für eine Täfelung. Alle Öffnungen richten sich gegen Süden auf das Tal unterhalb der Burg, und Piper wunderte sich zu Recht wozu die Scharten dienen sollen, weil jedes mögliche Ziel in dieser Richtung weit außerhalb der Schußweite sein mußte.
Die Scharten selbst sind nachträglich in ältere Fensteröffnungen eingebaut.
Von innen scheinen die südlichen Fensteröffnungen symethrisch um die Mitte des Gebäudes zu liegen. Von außen erkennt man aber, daß sie um ca. 1 bis 2 Meter nach Westen verschoben sind. Daraus ist zu schließen daß die ( fensterlose ) Ostseite des Gebäudes von erheblicher Stärke sein muß. An den Balkenlöchern kann man erkennen, daß die Geschoße im Süd- und Nordteil des Gebäudes nicht auf der selben Höhe lagen, sondern um einen Halbstock versetzt sind.
Seltsamerweise gibt es auf der absolut sicheren Ostseite erst ab dem zweiten Obergeschoß Fensteröffnungen, während die beiden unteren völlig blind waren. Vom dritten OG. ist fast nichts mehr erhalten , und auch die dem inneren Burghof zugewandte Westseite des Gebäudes fehlt völlig.
Der Torbau dürfte erst  14 Jhd. nachträglich an eine ältere,  jetzt völlig verschwundene Ringmauer angebaut worden sein. Er dürfte eine funktionelle Mischung aus Torbau, Batterieturm und Wohnbau gewesen sein. Auf dem steilen Burgplatz zwischen dem Torbau und dem an der höchsten Stelle stehenden Bergfrieds, sind heute keinerlei Reste von Gebäuden zu finden. Zwei Ansichten aus dem 19. Jahrhundert ( Reichard und Kaiser ) zeigen jedoch eindeutig Gebäude und Mauerreste über den gesamten westlichen Teil des Burgberges. Bei einer Besichtigung im Frühjahr, wenn das Gestrüpp noch nicht die Sicht verstellt, kann man diese auch noch sehen, insbesondere zwei in ca. 2 Meter Abstand paralell zueinander verlaufende Mauerreste, die quer fast über den ganzen Burgplatz laufen.

Auf der höchsten Stelle des Burgplatzes, an der Nord-Westecke steht, hoch über der Vorburg, der 4-stöckige Bergfried. Sein Hocheinstieg liegt an der Ostseite. Durch ein darunter liegendes Loch kann man jetzt in das Innere schlüpfen, und ist überrascht wie winzig der Turm innen ist . Er dürfte wohl den Rekord als kleinster Bergfried Österreichs halten. (Man könnte ihn mühelos in der Mauerstärke der Bergfrieds von Schaunberg bei Eferding unterbringen.

Bei einer Geschoßfläche von nicht einmal ca. 2 x 4 Metern kann man wohl davon ausgehen, daß der Turm nicht wirklich bewohnbar war. Ein Teil dieser Fläche muß noch für eine Treppe, bzw. Leiter aufgegangen sein.
Das unterste Geschoß war ein fensterloser Raum von ca. 5 Meter Höhe, mit einer Dippelbaumdecke aus direkt nebeneinander liegenden Holzbalken von ca. 18×18 cm , also ein Verließ oder Vorratsraum. Die Wandstärke beträgt nur ca. 80 cm. Darüber das Eingangsgeschoß mit einer ca. 70 cm breiten Tür mit Riegelverschluß. Die äußeren 40 cm der Tür sind als einfacher Rundbogen gemauert, der Rest der Mauerstärke ist mit 3 starken ( erhaltenen ) Holzbalken von 15×15 cm abgestützt. Es scheint als ob der Eingang ca. 60 cm über der Zwischendecke liegt.

Zwei Lichtschlitze die in einfachen rechteckigen Nischen liegen haben das Eingangsgeschoß recht und schlecht erhellt. Bei den Nischen wurden einfache Bretter als Überleger verwendet. Der darüber liegende erste Stock zeigt am ehesten Zeichen von primitiver Bewohnbarkeit : An der Süd und Nordseite je ein einfaches Rundbogenfenster von ca. 60 cm Breite und 90 cm Höhe . An der Westseite , also über dem Abgrund,  eine schmale Türe, die zu einem Abtritt oder Erker über dem ca. 30 Meter tiefen Abgrund führte. Alle drei Öffnungen sind jetzt vermauert, wohl um der Erosion keinen Angriffspunkt zu geben.
Der Fußboden bestand aus Balken in ca. 80 cm Abstand, die wohl mit Holzblanken belegt waren.
Im zweiten Stockwerk sind keine Fensteröffnungen mehr zu sehen. Das Mauerwerk des Turmes ist denkbar einfach. Trotzdem ringt einem der Blick durch die im Verließ ausgebrochene Öffnung gegen die Vorburg Hochachtung vor den Erbauern ab, die auf dieser gegen alle Seiten senkrecht abfallenden Felsspitze einen Turm gebaut haben. Auch die Maurer die den Turm  – wohl in der frühen Renaissance- mit aufgeputzten Eckquadern verhübscht haben, verdienen unsere Anerkennung für ihren Mut. Dabei wurde auch der ganze Turm verputzt, die viereckigen Rüstlöcher blieben aber erhalten.
Links unterhalb des Hocheinstieges sind noch geringe Reste von älterem, weißen Verputz mit aufgemalten roten Quaderecken zu erkennen, ein Beweis dafür, daß der heute sichtbare gelbliche Verputz und die  aufgeputzen Eckquadern sekundär sind. Über dem Einstieg finden sich fünf Balkenlöcher die wohl einen Wehrgang oder ein Dach getragen haben. Südöstlich des Bergfrieds schließt sich eine ca. 6 Meter hohe Ringmauer an, die scharf an der Kante des Burgfelsens gegen die Vorburg hin steht. Seltsamerweise ist sie nicht stumpf an den Bergfried angebaut, sondern steht um Mauerstärke weiter außen, sodaß sich nur die beiden Eckpunkte der Bauwerke berühren. Sie weist in ca. 4 Meter Höhe einen Rücksprung der Mauerstärke auf, wahrscheinlich ein Wehrgang. Bei genauerer Betrachtung erkennt man, daß der niedere innere und der äußere höhere Teil zwei aneinander gestellte, separat errichtete Mauern sind

Die Mauer beschreibt, dem Felsabbruch folgend, eine leichte Kurve, die in gerade Mauerstücke aufgelöst ist. Dabei ist die Außenmauer dreimal gebrochen, und wirkt von außen fast rund, die Innenmauer nur zweimal . Dadurch wird der Wehrgang an dieser Stelle etwas breiter. Um diese Erweiterung steigt die Außenmauer in Form eines Treppengiebels an, und auf Höhe des Absatzes führt eine Rundbogentür nach außen, wohl zu einem Erker. Neben der Tür zwei kleine rechteckige Mauernischen. Der Burgfelsen ist an der Innenseite der Mantelmauer in einem Abstand von ca. 3 Metern deutlich flacher und gegen den restlichen Burgplatz abgesetzt , was in Zusammenhang mit dem Mauerrücksprung, der Türöffnung 4 Meter über dem Mauerfuß  und den Balkenlöchern über dem Einstiegzum Bergfried auf einweiteres,völligverschwundenes Gebäude hinweisen könnte.

An der Innenseite der Ringmauer ist ein geradlinig abgegrenztes dreieckiges Stück ausgebrochen, mit einem weiteren geraden Stück das senkrecht nach unter führt, sodaß das ganze Gebilde wie ein Wimpel aussieht. Wenn man diesen nun genauer betrachtet erkennt man, daß es sich dabei um  Kanäle handelt die durch eingemauerte, nun verrottete, hölzerne Fachwerkbinder geschaffen wurden. In Abstand von ca. 4 Metern waren in der Mitte der Mauerstärke jeweils senkrechte Balken eingemauert, die dann durch weitere 45Grad schräge Streben verbunden waren. Außer dem “Wimpel” sieht man nun alle vier Meter am Mauerfuß eine kleine ausgewaschene Öffnung, weil das in den senkrechten Kanälen eingedrungene Wasser die Mauer am Fuß zerstört hat. Weiters finden sich entlang der Mauer verteilt runde horizontale Rüstlöcher, durch die man nun durch die Mauerstärke schauen kann. So manche darin steckende Cola-dose definiert den Durchmesser des Rüstloches als den einer Alu-Getränkedose. Das Mauerwerk der Ringmauer ist einfachstes, unschönes Bruchsteinmauerwerk mit deutlichen Ausgleichslagen alle 70 cm.
Diese Verwendung von Holz aus Baustoff in der Burg, die absolute Sicherheit der Lage und das völlige Fehlen des an die Ringmauer angebauten Gebäudes  könnten darauf hindeuten, daß dieses in Holz- oder Fachwerkbauweise errichtet war. Die älteste Darstellung der Burg ( eine Votivtafel aus 1512 ) zeigt auch mehrere solche Fachwerkbauten. Südlich an die obere Ringmauer anschließend, sind die Reste eines mächtigen Turmes mit unregelmäßigem Grundriss. Dieser war sicherlich größer und wesentlich stärker als der Bergfried, und dürfte das älteste Gebäude der Burg gewesen sein. Der Grundriss hatte etwa die Form eines unregelmäßigen Fünfeckes, wobei dem tief darunter liegenden Burgweg zwei in stumpfem Winkel zu einander stehende Seiten, und dem feindfreien Burgplatz der spitze Winkel zugewandt war. Der Grund für die fünfeckige Ausführung war also offensichtlich nicht eine militärische wie bei anderen 5-eck Türmen, sondern die Anpassung des Grundrisses an die örtlichen Gegebenheiten. Auffällig sind die unterschiedlichen Mauerstärken. Die beiden feldseitigen Mauern sind 200 bis 300 cm, die hofseitige nur ca. 40 cm stark. Anscheinend wurde diese Seite an der Innenseite doubliert und so wesentlich verstärkt. Da ist es wenig verwunderlich, daß die beiden Außenseiten noch drei Stockwerk hoch erhalten sind, von den hofseitigen dagegen nur noch ein bescheidener Rest.
kammerstein7.jpgDer Turm hatte ursprünglich mindestens drei, wahrscheinlich vier Stockwerke. Er steht an einer Felsstufe, die fast den gesamten Höhenunterschied von ca. 15 Metern zwischen der oberen Ringmauer und dem Eingang zur Hauptburg überbrückt. Er hatte also sowohl einen Zugang in das Erdgeschoß vom 2.OG des Torbaues aus, als auch  einen weiteren in den zweiten Stock von der oberen Ringmauer aus .
An den Balkenlöcher läßt sich noch die Raumeinteilung erkennen. Dabei fällt auf, daß die erste Balkendecke erst in ca. 5 Metern Höhe zu finden ist. Vielleicht war darunter ursprünglich noch ein Gewölbe eingezogen. Das Fundament des Turmes steht an der Feindseite über einer natürlichen Felsspalte, die künstlich erweitert und geglättet wurde. So entstand ein knapp schulterbreiter und ca. 150 cm tiefer Gang, der aus dem Inneren des Turmes heraus, halsbrecherisch steil nach unten in den ersten Zwinger führt. Er ist überdeckt von einem breiten Stützbogen, der die fast drei Meter dicke Mauer trägt. Von außen wirkt das Gebäude als ob es mit gekrätschten Beinen über der Felsspalte stehen würde.
Über des Sinn dieser Einrichtung kann man nur Vermutungen anstellen :

  • Eine mögliche Erklärung ist eine Poterne ( Ausfalltürl ), die Entlastungsangriffe in den Zwinger ermöglichte. Ein solcher Angriff wäre aber nur für alpinistisch ausgebildete Verteidiger möglich.
  • eine weitere Möglichkeit wäre eine Transportöffnung für sperrige Güter ( z.B. Balken etc.) die nicht durch den verwinkelten Torbau in die Burg transportiert werden konnten.
  • eine dritte , recht gewagte , Erklärung wäre, daß dies der alte Hauptzugang zur Burg war, bevor die Futtermauer mit dem jetzigen Zugang errichtet wurde.Direkt über der Felsspalte befand sich ein, jetzt vermauerter Erker. Darüber in jedem Geschoß eine geräumige Mauernische mit einem Fenster oder einer Scharte auf jeder der beiden Aussenseiten.
    Am Fuße des Turmes führt ein in den Felsen gehauener Gang zu einem Platz hoch über der Torkammer die über dem dritten Tor liegt.